AAL Projekte am FZI

Aufgrund des demographischen Wandels und den damit verbundenen
Herausforderungen in Pflege und Gesundheitssystemen ist zu erwarten, dass sich der Bedarf an AAL-Lösungen und Gesundheitsdienstleistungen in Zukunft sehr stark entwickeln wird. Der Anteil der Generation 65+ an der Gesamtbevölkerung steigt; es wird davon ausgegangen, dass 10% dieser Gruppe kognitive Störungen haben und auf technische Unterstützung angewiesen sind. Das bereits heute verfügbare technische Potenzial ist bei weitem nicht ausgeschöpft.

Das FZI stellt sich dieser Herausforderung mit der Durchführung verschiedener Forschungsprojekte in den Bereichen AAL und Gesundheitswesen. Hier bestehen enge Kontakte zu Endnutzern, die für eine Evaluierung von am FZI entwickelten Lösungen zur Verfügung stehen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Projekten erhalten Sie auf den Projektseiten der entsprechenden Forschungsbereiche IPE und ESS oder auf den jeweiligen Webseiten.

SOPRANO

Service-Oriented Programmable Smart Environments for Older Europeans
http://www.soprano-ip.org

altSOPRANO ist ein EU-Forschungsprojekt, das durch eine technische Infrastruktur älteren Menschen länger ein unabhängiges Leben in ihrer gewohnten Umgebung ermöglichen soll. Hierbei steht eine positiv besetzte Unterstützung im Vordergrund, die nicht nur in Problem- oder Notfallsituationen eingreift, sondern grundsätzlich die Lebensqualität von älteren Menschen verbessert.

Dabei wird auf technischer Ebene eine flexible, dienstorientierte Ambient Middleware geschaffen, die in den jeweiligen Wohnungen oder Häusern installiert werden kann und flexibel unterschiedliche Sensoren und Aktuatoren anbinden kann. Mit Hilfe semantischer Technologien soll das SOPRANO-System im Hintergrund auf Änderungen der Umgebung, das Verhalten der Person oder explizite Kommandos reagieren.

Bei der Entwicklung der SOPRANO-Middleware wird auf eine ontologiezentrierte Architektur und Entwurfsmethodik gesetzt, die zum einen auch in offenen Umgebungen eine hohe semantische Kohärenz bei der Integration sicherstellt, zum anderen den Einsatz aktueller semantischer Technologien ermöglicht.

VitaBIT

http://www.vitabit.org

altDas Projekt VitaBIT beschäftigt sich mit der zentralen Frage, wie ambulante Pflege bereits heute effizienter, qualitativ hochwertiger und gleichzeitig kostensparend gestaltet werden kann.

Eine offene IT-Pflege-Plattform soll die Kommunikation und den sicheren Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten im Pflegeprozess rundum gewährleisten und bietet damit erstmals die Möglichkeit zur Kommunikation und Kooperation zwischen Hausarzt, Pflegedienstleister und mobilen Mitarbeiten und berücksichtigt dabei folgende Kriterien:

  • Ortsunabhängigkeit - durch die Einbeziehung von Mobiltelefonen und Funkübertragung aller Daten in eine zentrale VitaBIT-Datenbank
  • Situationsbezug - durch digitale Erfassung und Auswertung der Vitalwerte. Dadurch werden die Mitarbeiter entlastet  und haben mehr Zeit für den Patienten selbst
  • Übersichtlichkeit - durch Unterstützung der Pflegedienstzentrale bei der Planung und Koordination der Mitarbeiter sowie der Kommunikation mit anderen Einrichtungen.
  • Sicherheit - durch Beschränkung des Zugangs zu persönlichen oder gesundheitsbezogenen Daten mit Hilfe spezieller Sicherheitskomponenten für die Autorisierung des Zuganges.
  • Interaktivität - durch die Möglichkeit des Zugriffs auf die gemeinsame Datenbasis durch verschiedene weitere Benutzergruppen wie Ärzte und Krankenhäuser, Angehörige der Patienten sowie Notrufzentralen.
  • Möglichkeit zu einem ständigen Zugriff - durch die externe Verfügbarkeit von vor Ort erhobenen Informationen. Diese werden effizient verwaltet und zielgerichtet verfügbar gemacht

AMICA

Autonomy, Motivation & Individual Self-Managment for COPD patients
http://www.amica-aal.com

altZiel des europäischen Projektes AMICA ist die Entwicklung eines telemedizinischen Disease-Management-Systems für Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).

Innovative verbesserte Versorgungsmodelle, mikrosystemtechnische Sensorik sowie Anreiz- und Feedbacksysteme bilden die Basis des AMICA-Vorhabens. Zur früheren Erkennung einer  Verschlechterung des Zustandes des Patienten wird ein neuartiger, multifunktioneller Sensor entwickelt. Die in häuslicher Umgebung aufgenommenen Sensormessdaten werden in einer elektronischen Patientenakte gespeichert und bilden die Datenbasis für ein aktives Feedback- und Anreizsystem. Der Patient kann jederzeit Rückmeldung über seinen Gesundheitszustand einholen und erhält Vorschläge zum Selbstmanagement. Mit Partnern aus Medizin, Sozio-Technik, Mikrosystemtechnik und Ökonomie wird die gesamte Behandlungskette von COPD Patienten phasen- und schnittstellenübergreifend analysiert.

Die AMICA-Projektlösungen sollen auf andere chronische Erkrankungen übertragbar sein. Somit können externe Motivation und Selbstanalyse kombiniert mit innovativen Präventionsmaßnahmen auch bei anderen chronisch kranken Menschen die Lebensqualität steigern und Kosten sparen.

EasyCare

Technologie-unterstützte Dienstleistungen zur Unterstützung von pflegenden Angehörigen

In Deutschland wird zur Zeit über zwei Drittel der häuslichen Pflege von Angehörigen übernommen. Das Projekt EasyCare soll pflegende Angehörige hierbei effizient unterstützen, damit Pflegebedürftige optimal versorgt werden. Gesundheits- und Pflegedienstleister, Technologieentwickler und -anbieter entwickeln gemeinsam innovative Assistenzfunktionen und technologiegestützte Dienstleistungen aus den Bereichen Case Management, Coaching via Call Services, lokale Betreuung und Pflege, Pflegemonitoring und Assistenz durch ambiente Monitoringtechnologien. Ebenso ist eine zentrale Internet-Plattform mit einem integrierten Social Network geplant.

Der Start des Projektes EasyCare ist für September 2009 geplant.

Stroke Angel

http://www.stroke-angel.de

altRund 200.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Die ärztliche Betreuung direkt nach dem Schlaganfall ist für das weitere Leben der Betroffenen von entscheidender Bedeutung: nur wenn sofort mit der richtigen medizinischen Behandlung begonnen wird, können schwere Behinderungen oder ein im schlimmsten Fall tödlicher Ausgang vermieden werden.

Stroke Angel ist ein neues System, das nach dem Konzept „Time is Brain“ funktioniert und mit dessen Hilfe die schnelle und kompetente Versorgung von Schlaganfall-Patienten gesichert werden soll. Eine spezielle Software ermöglicht es dabei dem Rettungsassistenten bereits am Notfallort wichtige Informationen über den Patienten in das Gerät einzugeben und diese dann per Funkverbindung an das Zielkrankenhaus zu übermitteln. So kann sich das Ärzteteam im Krankenhaus bereits vor Eintreffen des Rettungswagens optimal auf den Patienten vorbereiten und wertvolle Zeit gewonnen werden.

Cardio Angel

http://www.cardio-angel.de

altIm Sinne einer verbesserten Versorgung von Herzinfarktpatienten sowie einer Verbesserung des Qualitätsmanagements wurden Anfang 2008 zwei telemedizinische Projekte ins Leben gerufen.
Bei diesen Projekten wird mit Hilfe modernster Technik bereits direkt am Einsatzort ein EKG abgeleitet, welches dann zusammen mit weiteren Patientendaten unmittelbar an eine geeignete Klinik übertragen wird. Dort analysiert ein Kardiologe die eingegangenen Daten und stimmt zusammen mit dem Notarzt vor Ort das weitere Vorgehen ab. Dadurch werden entscheidende Minuten gewonnen und in der Klinik steht bei Ankunft des Patienten bereits alles für dessen Aufnahme, Diagnostik und Therapie bereit.

MS Nurses

Pervasiv Computing bei der Behandlung und Therapie von Multiple Sklerose-Patienten

In einem interdisziplinären Ansatz wird der klinische Einsatz von Activity Monitoring-Systemen für MS-Patienten im Hinblick auf medizinische, sozio-technische und ökonomische Aspekte evaluiert. Die Ergebnisse aus dieser Studie sollen als Ausgangsbasis für den breiten Einsatz innovativer Technologien in der medizinischen Aktivitätsanalyse dienen und dazu beitragen, neue Erkenntnisse über die Anwendung des Pervasive Computing in der Medizin zu gewinnen. Über einen Zeitraum von zwei Jahren werden MS-Patienten einer neurologischen Klinik gebeten, einen Activity Monitor eine Woche zu Hause zu tragen. Die gemessenen Bewegungsdaten werden anonymisiert analysiert und nach medizinischen Aspekten untersucht. Darüber hinaus haben die Patienten die Möglichkeit, die Alltagstauglichkeit der Technologie zu beurteilen.

Ziel ist es, ausgehend von den identifizierten Bedürfnissen Handlungsmöglichkeiten für Anbieter von Dienstleistungen im Gesundheitssystem sowie politische Entscheidungsträger zu entwickeln.